I / O (Abstract)

Künstler verfügen über eine Fülle von "Inputs" – nicht nur Bilder, sondern auch Musik, Texte und einen schwer fassbaren "Vibe". Generative KI bietet neue "Output"-Werkzeuge, doch es fehlt an etablierten Prozessen, diese Inputs zur Erweiterung einer bestehenden digitalen Identität zu nutzen. Diese Arbeit untersucht dies in einem explorativen Artistic Research-Prozess am Fallbeispiel des Alter Egos "Kepler". In iterativen Zyklen und Künstler-Klienten-Dialogen wird ein Workflow entwickelt, der nicht nur neue Artefakte (Cover, Animationen) generiert, sondern auch dessen Auswirkung auf stilistische Kohärenz und künstlerische Autorschaft reflektiert.

Keywords: Generative AI, Multimodale Generierung, Artistic Research, Digitale Identität, Alter Ego, Cover Art, Animation

Kepler Pixel-Art Album Cover Übersicht

Screenshots von seinem Spotify

Einleitung

Die rasante Entwicklung generativer KI eröffnet neue Möglichkeiten in der künstlerischen Praxis. Für etablierte Künstler, die diese Werkzeuge in ihre bestehenden Workflows integrieren möchten, bedeutet dies eine Phase des Experimentierens, da etablierte "Best Practices" oft noch fehlen.

Dieses Artistic Research-Projekt knüpft an eine solche bestehende künstlerische Kollaboration an: die digitale Identität "Kepler" des Musikers Gavin Just. Aufbauend auf einer gemeinsamen Praxis, in der bereits digitale Album-/Song Cover und "Shorts" (Animationen) entstanden sind, stellt sich eine zentrale Herausforderung: Die visuelle Welt von Kepler entwickelt sich oft langsamer als die musikalische oder performative Ebene des Künstlers. Diese Diskrepanz steht in einem besonderen Spannungsfeld zu Keplers eigenem Narrativ – einer geplanten Transformation von einer 2D-Figur über eine 3D-Voxel-Gestalt bis hin zu einer realen und schließlich "hyperrealen" Existenz.

Basketball Szene Kepler im Wasser Disco-Herz
Kepler auf dem Mond Kepler am Schreibtisch

Bereits existierende Arbeiten, die ich in Unreal Engine erstellt habe.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, einen explorativen, KI-gestützten Prozess zu entwickeln... Diese Herangehensweise ist von der Arbeit von Künstlern wie Refik Anadol inspiriert... In diesem Projekt wird der Einsatz von KI somit selbst zur Metapher für Keplers Transformation in eine "hyperreale" Identität.

Forschungsfragen

  • Wie kann generative KI genutzt werden, um die stilistische Kohärenz einer bestehenden künstlerischen Identität zu wahren oder sinnvoll zu erweitern?
  • Inweit können bestehende Produktionsprobleme (z. B. die komplexe Animation von Voxel-Modellen) durch KI-Workflows gelöst oder kreativ umgangen werden?
  • Wie kann ein Workflow gestaltet werden, der die künstlerische Autorschaft wahrt und (urheber-)rechtliche Aspekte berücksichtigt?
  • Wie wird dieser explorative Prozess subjektiv vom "Künstler" (der Forschenden) und dem "Künstler-Klienten" (Gavin Just) wahrgenommen?

Methodologie

Diese Arbeit folgt keinem starren technischen Plan, sondern einer Methodik des explorativen Artistic Research. Der Prozess wird in drei iterative Zeitblöcke aufgeteilt...

Parallel wird ein reflexives Prozess-Tagebuch ("Logbuch") geführt. Jeder Block schließt mit einem semi-strukturierten "Künstler-Klienten-Dialog" mit Gavin Just...

Zeitplan
Kepler im weißen Anzug Kepler mit zerbrochenem Glas

Fotografien des realen Kepler in Kostüm und Szene.

Kepler in 3D

Interaktive 3D-Visualisierung der Kepler-Figur. Bewege die Maus oder berühre den Bildschirm, um das Modell zu drehen.

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Künstler-Klienten-Dialoge

Dialog 1 (Audio-Transkript)

"Das fühlt sich schon nach Kepler an."

J.M: "Hier sind die ersten generierten Bilder, basierend auf unserem Pinterest-Board und den alten Covern. Erkennst du den Stil wieder?"

G.J: "Ja, krass. Besonders Bild 3 und 5. Das ist genau die Farbstimmung. Die Voxel-Animation war immer so ein Krampf... wenn wir das umgehen könnten, wäre das mega. Lass uns versuchen, den Charakter damit konsistenter zu machen."

Abschluss von Block 1. Nächster Schritt: Charakter-Kohärenz testen.

Dialog 2 (Zoom-Mitschrift)

"Der Hintergrund ja, der Charakter nein."

G.J: "Die Hintergründe (Log 4) sind perfekt. Das können wir sofort für das nächste Cover nutzen. Aber die generierten Charaktere (Log 3)... das ist nicht Kepler. Die Maske ist falsch. Das Voxel-Modell hat mehr Charakter."

J.M: "Okay, das bestätigt meine Vermutung. Das Produktionsproblem der Voxel-Animation lösen wir so nicht direkt. Wir umgehen es, indem wir den Voxel-Charakter in die KI-Welten setzen."

Abschluss von Block 2. Nächster Schritt: Animation (Dynamische Welten).

Dialog 3 (Finale)

"Der beste Workflow: Hybrid"

J.M: "Nach allen Tests, was ist dein Fazit?"

G.J: "Der Hybrid-Ansatz ist der Weg. Die KI ist eine 'Everything Machine' für die Welt, die Hintergründe, den Vibe (Log 5). Den Charakter selbst (das Voxel-Modell) behalten wir aber 'in-house', um die Kontrolle zu wahren. Die KI löst unser Voxel-Problem nicht, indem sie den Charakter ersetzt, sondern indem sie ihm eine Welt gibt, in der er existieren kann."

Abschluss von Block 3. Nächster Schritt: Evaluation.

Jennifer Meier

Jennifer Meier

Master Student + Research Assistant

Technische Hochschule OWL

m.jennifer@outlook.com

Interessen & Schwerpunkte

Virtual Production

LED Walls, Real-Time Rendering, Unreal Engine für Film- und Fernsehproduktion

3D

3D-Modellierung, Animation, Voxel-Art und immersive Erlebnisse

AI

Generative KI, Machine Learning für kreative Workflows und Artistic Research

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