I / O (Abstract)
Künstler verfügen über eine Fülle von "Inputs" – nicht nur Bilder, sondern auch Musik, Texte und einen schwer fassbaren "Vibe". Generative KI bietet neue "Output"-Werkzeuge, doch es fehlt an etablierten Prozessen, diese Inputs zur Erweiterung einer bestehenden digitalen Identität zu nutzen. Diese Arbeit untersucht dies in einem explorativen Artistic Research-Prozess am Fallbeispiel des Alter Egos "Kepler". In iterativen Zyklen und Künstler-Klienten-Dialogen wird ein Workflow entwickelt, der nicht nur neue Artefakte (Cover, Animationen) generiert, sondern auch dessen Auswirkung auf stilistische Kohärenz und künstlerische Autorschaft reflektiert.
Keywords: Generative AI, Multimodale Generierung, Artistic Research, Digitale Identität, Alter Ego, Cover Art, Animation
Einleitung
Die rasante Entwicklung generativer KI eröffnet neue Möglichkeiten in der künstlerischen Praxis. Für etablierte Künstler, die diese Werkzeuge in ihre bestehenden Workflows integrieren möchten, bedeutet dies eine Phase des Experimentierens, da etablierte "Best Practices" oft noch fehlen.
Dieses Artistic Research-Projekt knüpft an eine solche bestehende künstlerische Kollaboration an: die digitale Identität "Kepler" des Musikers Gavin Just. Aufbauend auf einer gemeinsamen Praxis, in der bereits digitale Album-/Song Cover und "Shorts" (Animationen) entstanden sind, stellt sich eine zentrale Herausforderung: Die visuelle Welt von Kepler entwickelt sich oft langsamer als die musikalische oder performative Ebene des Künstlers. Diese Diskrepanz steht in einem besonderen Spannungsfeld zu Keplers eigenem Narrativ – einer geplanten Transformation von einer 2D-Figur über eine 3D-Voxel-Gestalt bis hin zu einer realen und schließlich "hyperrealen" Existenz.
Bereits existierende Arbeiten, die ich in Unreal Engine erstellt habe.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, einen explorativen, KI-gestützten Prozess zu entwickeln... Diese Herangehensweise ist von der Arbeit von Künstlern wie Refik Anadol inspiriert... In diesem Projekt wird der Einsatz von KI somit selbst zur Metapher für Keplers Transformation in eine "hyperreale" Identität.
Forschungsfragen
- Wie kann generative KI genutzt werden, um die stilistische Kohärenz einer bestehenden künstlerischen Identität zu wahren oder sinnvoll zu erweitern?
- Inweit können bestehende Produktionsprobleme (z. B. die komplexe Animation von Voxel-Modellen) durch KI-Workflows gelöst oder kreativ umgangen werden?
- Wie kann ein Workflow gestaltet werden, der die künstlerische Autorschaft wahrt und (urheber-)rechtliche Aspekte berücksichtigt?
- Wie wird dieser explorative Prozess subjektiv vom "Künstler" (der Forschenden) und dem "Künstler-Klienten" (Gavin Just) wahrgenommen?
Methodologie
Diese Arbeit folgt keinem starren technischen Plan, sondern einer Methodik des explorativen Artistic Research. Der Prozess wird in drei iterative Zeitblöcke aufgeteilt...
Parallel wird ein reflexives Prozess-Tagebuch ("Logbuch") geführt. Jeder Block schließt mit einem semi-strukturierten "Künstler-Klienten-Dialog" mit Gavin Just...
Fotografien des realen Kepler in Kostüm und Szene.
Kepler in 3D
Interaktive 3D-Visualisierung der Kepler-Figur. Bewege die Maus oder berühre den Bildschirm, um das Modell zu drehen.